Alltag & Vorsorge

Kontaktlinsen-Hygiene: Regeln, Risiken und Warnzeichen

Schlafen, Duschen, alte Lösung: Welche Hygienefehler bei Kontaktlinsen das Infektionsrisiko erhöhen und was laut CDC und Studien schützt.

Veröffentlicht am 6 Min. Lesezeit

Kontaktlinsen sind Medizinprodukte, die direkt auf der Hornhaut liegen, und die US-Gesundheitsbehörde CDC hält klar fest: Risikofrei sind sie nicht. Kleine Nachlässigkeiten bei der Pflege können zu Infektionen führen, die in seltenen Fällen das Sehen dauerhaft beeinträchtigen. Die gute Nachricht: Viele Risiken lassen sich mit ein paar gut belegten Gewohnheiten senken. Hier erfährst du, was die CDC und die American Academy of Ophthalmology (AAO) empfehlen und was Studien über die Risiken zeigen.

Warum Hygiene bei Kontaktlinsen zählt

Gefürchtet ist vor allem eine Infektion der Hornhaut, die sogenannte mikrobielle Keratitis. Laut einer Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt von 2022 gehen 52 bis 65 Prozent der neu auftretenden Fälle auf das Tragen von Kontaktlinsen zurück; das Risiko liegt für Linsentragende demnach rund 80-mal höher als für Menschen ohne Linsen. Meist sind Bakterien die Auslöser – in Europa laut dieser Übersicht in 91 bis 100 Prozent der Fälle, mit Abstand am häufigsten Pseudomonas aeruginosa; Akanthamöben machen 1 bis 5 Prozent aus.

Absolut betrachtet bleibt eine solche Infektion selten. In einer 2008 veröffentlichten landesweiten Erhebung aus Australien erkrankten pro Jahr rund 2 von 10’000 Menschen, die herkömmliche weiche Linsen (aus Hydrogel) nur tagsüber trugen oder Tageslinsen verwendeten; bei tagsüber getragenen Silikonhydrogel-Linsen waren es 11,9 von 10’000. Riskantes Verhalten ist dagegen weit verbreitet: In einer CDC-Umfrage von 2014 unter rund 1’000 Linsentragenden in den USA gaben etwa 99 Prozent mindestens einen Hygienefehler an. 55 Prozent hatten die Pflegelösung im Behälter schon einmal nur aufgefüllt statt ersetzt, 82 Prozent wechselten den Behälter seltener als empfohlen. Und fast ein Drittel hatte wegen eines roten oder schmerzenden Auges schon einmal ärztliche Hilfe gebraucht.

Schlafen mit Linsen: ein starker Risikofaktor

Laut CDC erhöht Schlafen in Kontaktlinsen das Risiko einer linsenbedingten Augeninfektion um das Sechs- bis Achtfache. Erhöht ist es laut CDC auch dann, wenn es versehentlich, gelegentlich oder als Teil eines verordneten Trageschemas geschieht. Trotzdem kommt es oft vor: In der CDC-Umfrage hatte rund die Hälfte schon einmal mit Linsen übernachtet, 87 Prozent hatten damit ein Nickerchen gemacht. In einem Bericht von 2018 schildert die Behörde sechs schwere Hornhautinfektionen nach dem Schlafen mit Linsen; bei zwei Betroffenen brach die Hornhaut durch und musste transplantiert werden.

In der australischen Erhebung hing die Grösse des Effekts von Linsenart und Tragegewohnheit ab. Wer herkömmliche weiche Linsen regelmässig über Nacht trug, erkrankte rund zehnmal so häufig (19,5 Fälle pro 10’000 Tragende und Jahr) wie bei reinem Tagestragen (1,9). Bei Silikonhydrogel-Linsen war die Rate mit Übernachten etwa doppelt so hoch (25,4 gegenüber 11,9). Gelegentliches Übernachten mit Tageslinsen verdoppelte die Rate von 2,0 auf 4,2. Warum genau Schlafen das Risiko steigert, ist laut CDC nicht abschliessend geklärt. Klar ist aber: Schlafe nur mit Linsen, wenn deine Fachperson es ausdrücklich vorsieht.

Wasser: Warum Duschen und Schwimmen heikel sind

Wasser gehört nicht an Kontaktlinsen – laut AAO nicht einmal steriles Wasser. Eine Rolle spielen dabei Akanthamöben: Einzeller, die laut der Ärzteblatt-Übersicht weit verbreitet sind und vor allem in wässriger Umgebung vorkommen. Die CDC zählt Leitungswasser und selbst hergestellte Lösungen in der Linsenpflege sowie Schwimmen, Duschen und Whirlpool mit Linsen zu den Risikofaktoren für eine Akanthamöben-Keratitis.

In der CDC-Umfrage hatten 85 Prozent schon mit Linsen geduscht, 61 Prozent waren damit geschwommen, und gut ein Drittel hatte die Linsen mit Leitungswasser abgespült. Dass Duschen keine Kleinigkeit ist, legt eine englische Fall-Kontroll-Studie von 2023 nahe. Sie verglich 83 Erkrankte mit 122 Vergleichspersonen, darunter 20 Erkrankte mit Tageslinsen. Unter den Tageslinsen-Tragenden war das Risiko einer Akanthamöben-Keratitis bei jenen, die mit Linsen duschten, rund 3,3-fach erhöht (gemessen als sogenannte Odds Ratio). Weil diese Untergruppe klein ist, ist die Richtung klar, die genaue Grösse des Effekts aber unsicher. Ebenfalls tabu ist Speichel zum Befeuchten – er ist laut AAO nicht steril.

Akanthamöben-Keratitis: selten, aber schwer

Über 85 Prozent der Akanthamöben-Infektionen der Hornhaut betreffen laut der Ärzteblatt-Übersicht Menschen, die Kontaktlinsen tragen, meist weiche. Als klassisches Merkmal beschreibt die CDC Schmerzen, die in keinem Verhältnis zum eher unauffälligen Befund stehen. Die Diagnose ist oft schwierig: Im Schnitt vergehen laut der Übersicht 2,8 Monate, bis sie steht, und fast die Hälfte der Fälle wird zunächst für eine Herpes-Infektion der Hornhaut gehalten. Die Behandlung kann laut CDC 6 bis 12 Monate oder länger dauern. Laut der Ärzteblatt-Übersicht erfordert mindestens jeder fünfte Fall eine Hornhauttransplantation, und bei rund einem Drittel der Betroffenen bleibt die Sehschärfe dauerhaft vermindert.

Die Pflege-Regeln im Alltag

Die Punkte stützen sich auf die Empfehlungen von CDC und AAO; halte dich zusätzlich an die Anleitung deines Pflegemittels und die Vorgaben deiner Fachperson.

  • Hände waschen und trocknen: vor jedem Linsenkontakt mit Seife und Wasser waschen und mit einem fusselfreien Tuch gut abtrocknen.
  • Reiben und spülen: Linsen mit Pflegelösung abreiben und abspülen – laut AAO auch dann, wenn das Mittel als «ohne Reiben» angeboten wird.
  • Immer frische Lösung: alte Lösung im Behälter nie auffüllen oder wiederverwenden, sondern jedes Mal vollständig ersetzen.
  • Kein Wasser, kein Speichel: Linsen nicht mit Wasser abspülen oder darin lagern, nicht mit Speichel befeuchten und vor dem Duschen oder Schwimmen herausnehmen.
  • Behälter pflegen: mit Pflegelösung statt Leitungswasser ausspülen und laut CDC kopfüber und ohne Deckel an der Luft trocknen lassen.
  • Behälter ersetzen: mindestens alle drei Monate, bei Rissen oder Schäden sofort.
  • Tragezeiten einhalten: Linsen nur so lange tragen und so oft wechseln, wie es dir verordnet wurde.
  • Kontrollen wahrnehmen: Linsensitz und Hornhaut regelmässig bei deiner Fachperson prüfen lassen. In der englischen Studie war seltene Kontrolle bei Tageslinsen-Tragenden der stärkste beeinflussbare Risikofaktor.
  • Brille als Reserve: eine Brille mit aktueller Korrektur dabeihaben, damit du die Linsen bei Beschwerden jederzeit herausnehmen kannst.

Fühlen sich deine Linsen am Bildschirm oft trocken an, findest du Tipps im Artikel zu trockenen Augen bei Bildschirmarbeit.

Tageslinsen oder Monatslinsen?

Tageslinsen werden nach einmaligem Tragen entsorgt, Behälter und Pflegelösung fallen weg. Bei Hornhautinfektionen insgesamt fand die australische Erhebung kaum einen Unterschied zwischen Tageslinsen (2,0 Fälle pro 10’000 Tragende und Jahr) und herkömmlichen weichen Hydrogel-Linsen, die nur tagsüber getragen wurden (1,9). Mit tagsüber getragenen Silikonhydrogel-Linsen lag die Rate dagegen bei 11,9. Neuere Linsentypen hätten die Häufigkeit solcher Infektionen nicht gesenkt, folgerten die Forschenden.

Bei der Akanthamöben-Keratitis sieht es anders aus. In der englischen Studie von 2023 war das Risiko (als Odds Ratio gemessen) mit wiederverwendbaren weichen Linsen – etwa Monats- oder Zweiwochenlinsen – rund 3,8-mal so hoch wie mit Tageslinsen, mit formstabilen Linsen rund 4,6-mal, wobei dieser Wert statistisch sehr unsicher ist. Die Forschenden schätzen, dass sich 30 bis 62 Prozent der Fälle vermeiden liessen, wenn Tragende wiederverwendbarer weicher Linsen auf Tageslinsen umstiegen.

Ein Freipass sind Tageslinsen aber nicht. In der kleinen Gruppe der Tageslinsen-Tragenden war das Risiko höher, wenn sie seltener zur Kontrolle gingen (Odds Ratio rund 10), Linsen mehrfach verwendeten (rund 5,4), damit übernachteten (rund 3,9) oder duschten (rund 3,3). Welche Linsenart zu dir passt, besprichst du mit deiner Fachperson.

Warnzeichen: Wann die Linse sofort raus muss

Rötung, Schmerzen, tränende Augen, Lichtempfindlichkeit, verschwommenes Sehen oder Ausfluss: Bei solchen Beschwerden solltest du laut CDC und AAO die Linsen herausnehmen und dich sofort bei einer Augenärztin oder einem Augenarzt melden. Als Warnzeichen nennt die CDC zudem Schmerzen im oder ums Auge, die zunehmen – selbst wenn die Linse schon draussen ist. Bakterielle Hornhautinfektionen entwickeln sich laut der Ärzteblatt-Übersicht oft innerhalb weniger Tage und können sich rasch verschlimmern.

Rotes, schmerzendes Auge mit Kontaktlinsen: Linse raus, nicht abwarten und das Auge sofort augenärztlich untersuchen lassen.

Tipp aus der Übersichtsarbeit: Nimm die getragenen Linsen und den Behälter zur Untersuchung mit – sie können helfen, den Erreger nachzuweisen.

Wenn dir Kontaktlinsen auf Dauer mühsam werden, können je nach Ausgangslage auch Augenlasern oder eine implantierbare Kontaktlinse (ICL) eine Alternative sein. Beides sind Eingriffe mit eigenen Voraussetzungen und Risiken, die sorgfältig abgeklärt werden müssen. Bei My Laser Vision in Wallisellen ist dafür eine kostenlose Voruntersuchung von rund 30 Minuten möglich.

Quellen

  1. Centers for Disease Control and Prevention (CDC) — What Causes Contact Lens-related Eye Infections (2025) (öffnet in neuem Tab)
  2. Cope JR et al. (CDC) — Contact Lens Wearer Demographics and Risk Behaviors for Contact Lens-Related Eye Infections — United States, 2014, MMWR (2015) (öffnet in neuem Tab)
  3. Cope JR et al. (CDC) — Corneal Infections Associated with Sleeping in Contact Lenses — Six Cases, United States, 2016–2018, MMWR (2018) (öffnet in neuem Tab)
  4. Centers for Disease Control and Prevention (CDC) — Clinical Overview of Acanthamoeba Keratitis (2025) (öffnet in neuem Tab)
  5. American Academy of Ophthalmology — How to Take Care of Contact Lenses (2022) (öffnet in neuem Tab)
  6. Maier P, Kammrath Betancor P, Reinhard T — Contact Lens–Associated Keratitis: an Often Underestimated Risk, Deutsches Ärzteblatt International (2022) (öffnet in neuem Tab)
  7. Stapleton F et al. — The incidence of contact lens-related microbial keratitis in Australia, Ophthalmology (2008) (öffnet in neuem Tab)
  8. Carnt N, Minassian DC, Dart JKG — Acanthamoeba Keratitis Risk Factors for Daily Wear Contact Lens Users: A Case-Control Study, Ophthalmology (2023) (öffnet in neuem Tab)

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine augenärztliche Untersuchung oder Beratung. Bei plötzlichen Sehstörungen, Lichtblitzen, einem Schatten im Gesichtsfeld oder starken Augenschmerzen wende dich bitte sofort an eine Augenärztin, einen Augenarzt oder eine Notfallstation.

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