Alltag & Vorsorge

UV-Schutz für die Augen: Sonnenbrille, Schnee und Höhe

Schnee wirft bis zu 80 % der UV-Strahlung zurück. Was Filterkategorien, CE-Zeichen und «UV 400» bedeuten – und warum dunkle Gläser allein nicht schützen.

Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit

Ein sonniger Tag auf dem Gletscher, der Himmel tiefblau – und am Abend brennen die Augen, als wäre Sand darin. So beginnt häufig eine Schneeblindheit. Die Augen bekommen UV-Strahlung ab wie die Haut, nur gibt es für sie keine Sonnencreme. Hier liest du, warum Berge und Schnee die Belastung so deutlich erhöhen und woran du eine Sonnenbrille erkennst, die wirklich schützt.

Warum Höhe und Schnee die UV-Dosis steigern

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO nimmt die UV-Strahlung pro 1’000 Höhenmeter um etwa 10 Prozent zu. Wer vom Mittelland auf 3’000 Meter steigt, bekommt nach dieser Faustregel grob ein Viertel mehr UV ab. Dazu kommt der Untergrund: Schnee kann bis zu 80 Prozent der UV-Strahlung zurückwerfen, frischer Schnee verdoppelt die Belastung laut WHO beinahe. Gras, Erde und Wasser reflektieren dagegen weniger als 10 Prozent, trockener Strandsand etwa 15 Prozent.

Auch Wolken sind kein verlässlicher Schutz. Eine dichte Bewölkung senkt die UV-Werte in der Regel, dünne Wolken dagegen kaum – durch Streuung können sie die Strahlung sogar erhöhen. Eine Modellstudie der Universitäten Lausanne und Genf mit MeteoSchweiz (2019) zeigt ausserdem: An einem wolkenlosen Sommertag stammten 51 bis 78 Prozent der UV-Dosis im Augen- und Gesichtsbereich aus diffuser Strahlung, also vom ganzen Himmel und nicht direkt von der Sonne. Auch mit der Sonne im Rücken bekommen die Augen also einiges ab. Die WHO rät, ab einem UV-Index von 3 Schutzmassnahmen zu treffen.

Schneeblindheit: ein Sonnenbrand auf der Hornhaut

Fachleute sprechen von Photokeratitis, einer Entzündung der Hornhaut. Die American Academy of Ophthalmology (AAO) vergleicht sie mit einem Sonnenbrand des Auges. Tückisch ist die Verzögerung: Laut der AAO-Fachenzyklopädie EyeWiki beginnen die Beschwerden 30 Minuten bis 12 Stunden nach der Belastung – oft also erst am Abend oder in der Nacht. Typisch sind Schmerzen, Fremdkörpergefühl, Tränen, Lichtempfindlichkeit, Rötung, geschwollene Lider und verschwommenes Sehen; selten kommt es zu einem vorübergehenden Sehverlust. Auch künstliche UV-Quellen wie Solarien oder Lichtbogen-Schweissen können eine Photokeratitis auslösen.

Laut AAO klingen die Beschwerden meist innert ein bis zwei Tagen allmählich ab, die Hornhautoberfläche heilt laut EyeWiki in der Regel innert 24 bis 72 Stunden. Bleibende Schäden sind laut WHO normalerweise nicht zu erwarten. Was laut AAO und EyeWiki hilft:

  • Kontaktlinsen sofort herausnehmen und erst nach dem Abheilen wieder tragen
  • einen abgedunkelten Raum aufsuchen
  • kühle, feuchte Tücher auflegen und Tränenersatzmittel verwenden
  • die Augen nicht reiben

Warnzeichen: Starke oder zunehmende Schmerzen, ein deutlich schlechteres Sehen, Beschwerden, die nach ein bis zwei Tagen nicht klar besser werden, oder Beschwerden an nur einem Auge gehören rasch in augenärztliche Abklärung. Schneeblindheit betrifft in der Regel beide Augen; ist nur eines betroffen, kann laut EyeWiki auch ein Fremdkörper dahinterstecken. Wer direkt in die Sonne schaut, riskiert zudem eine Schädigung der Netzhaut, die laut AAO länger anhält und ernster ist als die Hornhautreizung. Davor schützt auch eine Sonnenbrille nicht, betont das Bundesamt für Gesundheit (BAG). Ein solcher Schaden tut laut AAO in der Regel nicht weh, weil die Netzhaut keine Schmerznerven hat. Sehstörungen wie ein blinder Fleck in der Mitte des Blickfelds, verzerrte Linien oder veränderte Farben zeigen sich meist innerhalb von vier bis sechs Stunden, manchmal erst nach zwölf Stunden. Auch wenn nichts schmerzt, gehört das rasch in augenärztliche Abklärung.

Was sich über Jahre summiert

Neben akuten Reizungen nennt die WHO mehrere Langzeitfolgen von UV-Strahlung: den grauen Star (Katarakt), bei dem sich die Augenlinse trübt, das Pterygium sowie Krebs an und um das Auge. Auch an der altersbedingten Makuladegeneration könnte UV beteiligt sein. Weltweit sind laut WHO schätzungsweise 15 Millionen Menschen durch den grauen Star erblindet, bei etwa 10 Prozent davon könnte UV-Strahlung die Ursache sein. Mehr zur Linsentrübung liest du im Ratgeber Grauer Star.

Das Pterygium ist eine Wucherung von Bindehautgewebe, die sich über einen Teil der Hornhaut schieben kann. Das BAG empfiehlt Sonnenbrillen mit Seitenschutz ausdrücklich auch, um Pterygium und Katarakt vorzubeugen, denn ohne Seitenschutz kann reflektierte UV-Strahlung ins Auge gelangen.

Filterkategorien 0 bis 4: Was auf dem Etikett steht

Die Norm ISO 12312-1:2022, seit Januar 2023 auch Schweizer Norm, teilt Sonnenbrillen in fünf Filterkategorien ein. Sie beschreiben den Blendschutz, also wie viel sichtbares Licht durchkommt:

KategorieLichtdurchlässigkeitEinsatz laut BAG
0über 80 %als Sonnenbrille ungeeignet
143–80 %als Sonnenbrille ungeeignet
218–43 %Alltag
38–18 %Alltag, viel Sonne, Berge, Strand
43–8 %Hochgebirge, Schnee, Meer, Wüste

Für den Alltag empfiehlt das BAG Kategorie 2 oder 3, für Extremsituationen Kategorie 4 mit seitlichem Schutz. Wichtig: Gläser der Kategorie 4 sind zu dunkel, um Verkehrsampeln sicher zu erkennen, und deshalb im Strassenverkehr nicht zugelassen; das Etikett zeigt dann ein durchgestrichenes Auto. Für die Heimfahrt vom Gletscher brauchst du also eine zweite Brille. Auch breite Bügel und Seitenschutz eignen sich laut BAG nicht für den Strassenverkehr, weil sie das Blickfeld einschränken.

Tönung ist nicht gleich UV-Schutz

Wie dunkel ein Glas ist, ist kein verlässlicher Hinweis auf seinen UV-Schutz – der hängt laut BAG vom Material ab, nicht von Farbe oder Tönung. Achte auf die CE-Kennzeichnung und die Angabe «100% UV» oder «UV 400». «100% UV» bedeutet, dass das Glas die UV-Strahlung bis 380 Nanometer praktisch vollständig zurückhält; «UV 400» schliesst die Wellenlängen bis 400 Nanometer mit ein.

Dunkle Gläser mit ungenügendem UV-Filter können sogar schaden: Dahinter weiten sich die Pupillen, und wir kneifen die Augen weniger zusammen. Eine brasilianische Modellrechnung (Scientific Reports, 2024) prüfte 214 Gläser von markenlosen Sonnenbrillen, von denen nur eines die ISO-Norm erfüllte. Bei 8 davon wäre laut den Autoren das Risiko leicht höher gewesen als für ungeschützte Augen. Ins Gewicht fiel dabei weniger die Pupille als das grössere Sichtfeld, weil das unwillkürliche Zusammenkneifen wegfällt.

Beruhigend für den Schweizer Markt ist ein Test im Auftrag des BAG (2024): Alle 57 geprüften Sonnenbrillen mit CE-Zeichen erfüllten die Anforderungen an 100 Prozent UV-Schutz, und teure Modelle waren optisch nicht besser als günstige. Allerdings fielen 4 von 30 Erwachsenenbrillen im Alterungstest durch. Die Norm soll den UV-Schutz für zwei Jahre bei bis zu zwei Stunden Tragezeit täglich sichern, Kratzer schwächen ihn. Alte, zerkratzte Brillen gehören deshalb ersetzt.

Auch die Form zählt. In der Studie aus Lausanne und Genf schützten eng anliegende Goggles, wie man sie im Schnee trägt, nahezu vollständig, während die verbreiteten mittelgrossen Sonnenbrillen seitlich deutlich weniger abschirmten. Das BAG rät zu Gläsern, die bis zu den Augenbrauen reichen und das Gesicht in der Breite abdecken. Braune oder graue Tönungen eignen sich gut zum Sehen, blaue und rote verschlechtern den Kontrast. UV-Kontaktlinsen decken nur einen Teil des Auges ab und ersetzen die Sonnenbrille nicht; bei Korrekturgläsern lohnt die Frage nach 100 Prozent UV-Schutz.

Kinderaugen brauchen besonderen Schutz

Kinderaugen enthalten weniger Pigment und haben eine klarere Augenlinse als die von Erwachsenen, deshalb dringt UV-Strahlung tiefer ein, bis zur Netzhaut. Beim Erwachsenen halten Hornhaut und Linse UV zwischen 280 und 365 Nanometern vollständig zurück. Im kindlichen und jugendlichen Auge gibt es laut BAG zusätzlich ein schmales Durchlassfenster um 320 Nanometer, das sich erst bis zum 30. Lebensjahr schliesst. Auch die WHO bezeichnet Kinder und Jugendliche wegen ihrer Haut- und Augenstruktur als besonders verletzlich. Helle Augen sind zudem empfindlicher als dunkle, weil die Iris weniger Pigment enthält.

Praktisch heisst das: Eine Kopfbedeckung allein reicht laut BAG nicht. Im BAG-Test boten alle Baby- und Kindersonnenbrillen vollen UV-Schutz, doch bei zwei Kindermodellen waren rote Signalfarben nicht sicher erkennbar, und einer Babybrille der Kategorie 4 fehlte der Seitenschutz.

Kurz-Check vor der nächsten Bergtour

  • CE-Zeichen und «100% UV» oder «UV 400» auf dem Etikett
  • Kategorie 3 für Berge und Strand, Kategorie 4 für Gletscher und Hochgebirge – nicht zum Autofahren
  • seitlicher Schutz oder Goggles (nicht im Strassenverkehr), dazu ein Hut mit breiter Krempe
  • Sonnenbrille auch bei Bewölkung tragen, besonders auf Schnee und am Wasser
  • verkratzte oder alte Brillen ersetzen
  • nie direkt in die Sonne schauen, auch nicht mit Sonnenbrille

Wenn deine Augen nach einem Tag im Schnee nicht zur Ruhe kommen, du eine Wucherung auf dem Augenweiss bemerkst oder sich dein Sehen verändert, ist eine augenärztliche Untersuchung sinnvoll. In unserer Augenheilkunde gehört die Untersuchung des vorderen und hinteren Augenabschnitts zu den Basisuntersuchungen.

Quellen

  1. Weltgesundheitsorganisation WHO — Radiation: Ultraviolet (UV) radiation, Questions and answers (2016) (öffnet in neuem Tab)
  2. Weltgesundheitsorganisation WHO — Ultraviolet radiation, Fact sheet (2022) (öffnet in neuem Tab)
  3. Bundesamt für Gesundheit (BAG) — Faktenblatt Sonnenbrillen für den Gebrauch im Alltag (2024) (öffnet in neuem Tab)
  4. American Academy of Ophthalmology — What Is Photokeratitis, Including Snow Blindness? (2026) (öffnet in neuem Tab)
  5. American Academy of Ophthalmology, EyeWiki — Photokeratitis (2026) (öffnet in neuem Tab)
  6. American Academy of Ophthalmology — Think You Hurt Your Eyes Watching the Eclipse? (2023) (öffnet in neuem Tab)
  7. Backes C, Religi A, Moccozet L et al. — Sun exposure to the eyes: predicted UV protection effectiveness of various sunglasses. Journal of Exposure Science and Environmental Epidemiology (2019) (öffnet in neuem Tab)
  8. Masili M, Duarte FO, Ventura L — Calculation of solar ultraviolet influx in the eye considering the field of view and pupillary dilation due to sunglasses. Scientific Reports (2024) (öffnet in neuem Tab)

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine augenärztliche Untersuchung oder Beratung. Bei plötzlichen Sehstörungen, Lichtblitzen, einem Schatten im Gesichtsfeld oder starken Augenschmerzen wende dich bitte sofort an eine Augenärztin, einen Augenarzt oder eine Notfallstation.

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