Augenerkrankungen

Grauer Star (Katarakt): Anzeichen, Operation und Kosten

Grauer Star trübt die Augenlinse: woran du ihn erkennst, was «second sight» bedeutet, wie die Operation abläuft und was die Grundversicherung zahlt.

Veröffentlicht am 6 Min. Lesezeit

Die Linse in deinem Auge ist normalerweise klar und hilft, das einfallende Licht scharf zu bündeln. Beim Grauen Star, medizinisch Katarakt genannt, trübt sie sich allmählich ein – ungefähr so, als würdest du durch eine beschlagene Scheibe schauen. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ist der Graue Star die häufigste Ursache von Blindheit weltweit. Eine Operation mit Kunstlinse kann das Sehen laut WHO aber wiederherstellen.

Was im Auge passiert

Laut dem US-amerikanischen National Eye Institute (NEI) beginnen die Eiweisse in der Linse etwa ab dem 40. Altersjahr, sich abzubauen und zu verklumpen. Mit der Zeit wird so ein immer grösserer Teil der Linse trüb. In den USA hat laut NEI mehr als die Hälfte der Menschen ab 80 Jahren einen Grauen Star oder wurde bereits daran operiert. Er kann ein Auge oder beide betreffen, springt aber nicht von einem Auge auf das andere über.

Typische Anzeichen

Am Anfang bemerkst du einen Grauen Star oft gar nicht. Später nennt das NEI unter anderem diese Symptome:

  • verschwommenes oder trübes Sehen
  • Farben wirken blasser
  • schlechtere Sicht in der Nacht
  • Lampen, Sonnenlicht oder entgegenkommende Scheinwerfer blenden stärker
  • Lichthöfe (Halos) um Lichtquellen
  • Doppelbilder
  • Brillen- oder Kontaktlinsenwerte, die sich häufig ändern

«Second sight»: wenn die Lesebrille seltener nötig ist

Ein überraschendes Zeichen kann der Kernkatarakt liefern, bei dem sich die Trübung im Zentrum der Linse bildet. Wie die American Academy of Ophthalmology (AAO) erklärt, wird der Linsenkern dabei härter, sein Brechungsindex steigt, und die Brechkraft des Auges verschiebt sich in Richtung Kurzsichtigkeit. Wer weitsichtig und zugleich alterssichtig ist, braucht die Brille deshalb manchmal vorübergehend weniger – im Englischen «second sight», «zweites Sehen», genannt. Ein Grund zur Entwarnung ist das nicht, denn die Trübung schreitet weiter fort. Greifst du im Alter plötzlich seltener zur Lesebrille, lohnt sich eine augenärztliche Kontrolle.

Wichtig: Ein Grauer Star entwickelt sich in der Regel langsam. Plötzlich schlechteres Sehen, neue Lichtblitze, ein «Russregen» oder ein Schatten im Gesichtsfeld passen nicht zu diesem Bild. Solche Warnzeichen sind ein Notfall: Lass sie sofort, spätestens noch am selben Tag, augenärztlich abklären – ausserhalb der Praxiszeiten auf einer Notfallstation. Mehr dazu im Ratgeber Lichtblitze und Russregen.

Wer ein höheres Risiko hat

Laut NEI steigt das Risiko mit dem Alter. Ausserdem erhöhen diese Punkte das Risiko:

  • Diabetes
  • Rauchen und zu viel Alkohol
  • Grauer Star in der Familie
  • frühere Augenverletzungen, Augenoperationen oder Bestrahlungen am Oberkörper
  • viel Zeit in der Sonne
  • die Einnahme von Steroiden wie Kortison

Bei der Sonne lohnt sich ein genauerer Blick: Laut WHO sprechen Studien dafür, dass UV-B-Strahlung ein Risikofaktor für eine bestimmte Form ist, den kortikalen Katarakt. Die WHO schätzt, dass bis zu 10 Prozent der Katarakte auf zu viel UV-Strahlung zurückgehen und damit vermeidbar wären. Beim Skifahren und Bergsteigen ist die UV-Belastung der Augen besonders hoch. Worauf du bei einer Sonnenbrille achten kannst, erklärt der Ratgeber UV-Schutz und Sonnenbrille.

Das NEI rät ausserdem, die Augen vor Verletzungen zu schützen, nicht zu rauchen und sich augenfreundlich zu ernähren. Machst du dir Sorgen wegen deines Risikos, etwa weil du Kortison einnimmst, rät das NEI zum Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Ab 60 empfiehlt das NEI eine Augenuntersuchung bei erweiterten Pupillen alle ein bis zwei Jahre.

Wann und wie operiert wird

Laut NEI ist eine Operation der einzige Weg, einen Grauen Star zu entfernen – Tropfen oder Tabletten lösen ihn nicht auf. Operiert wird aber nicht automatisch bei der Diagnose, sondern in der Regel dann, wenn die Trübung den Alltag einschränkt, etwa beim Lesen, Autofahren oder Fernsehen. Bis dahin können laut NEI hellere Beleuchtung, Sonnenbrillen gegen Blendung, Lupen und im Frühstadium aktualisierte Brillenwerte helfen.

Das Standardverfahren heisst Phakoemulsifikation. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit von 2023 beschreibt es so: Über einen kleinen Schnitt in der Hornhaut wird die Vorderseite der Linsenkapsel kreisrund geöffnet, die getrübte Linse mit Ultraschall zerkleinert und abgesaugt und eine Kunstlinse in den Kapselsack eingesetzt. Das Auge wird betäubt; laut NEI ist der Eingriff fast schmerzfrei. Die Cochrane-Autorinnen und -Autoren zählen ihn zu den weltweit am häufigsten durchgeführten Augenoperationen, und laut NEI sehen rund 9 von 10 Operierten danach besser.

Sind beide Augen betroffen, wird laut NEI jedes einzeln operiert, meist im Abstand von etwa einem Monat. Ausserdem kann es laut NEI nötig sein, in den ersten Wochen das Auge nicht zu berühren, dich nicht stark zu bücken und nichts Schweres zu heben – massgebend sind die Anweisungen deines Operationsteams. Bei den meisten ist das Auge nach acht Wochen vollständig verheilt; danach kann eine neue Brille nötig sein. In der Schweiz gehört die Kataraktoperation laut Anhang 1a der Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV) zu den Eingriffen, welche die Grundversicherung grundsätzlich nur ambulant vergütet – ein Spitalaufenthalt wird nur bei besonderen Umständen bezahlt, meist wegen relevanter Begleiterkrankungen.

Bringt ein Laser Vorteile?

Einzelne Schritte – Schnitte, Kapselöffnung und das Zerteilen der Linse – kann auch ein Femtosekundenlaser übernehmen. Die erwähnte Cochrane-Übersicht hat dazu 42 randomisierte Studien mit 7’298 Augen ausgewertet. Bei Komplikationen, Sehschärfe und Lebensqualität gibt es wahrscheinlich wenig bis keinen Unterschied zur herkömmlichen Methode; zwei Studien deuten zudem darauf hin, dass der Laser weniger kosteneffizient ist.

Warnzeichen nach der Operation

Melde dich laut NEI sofort bei deiner Augenärztin oder deinem Augenarzt bei:

  • Sehverlust
  • starken Schmerzen, die trotz Schmerzmittel nicht nachlassen
  • einem sehr stark geröteten Auge
  • Lichtblitzen oder vielen kleinen dunklen Punkten oder Fäden im Blickfeld

Nachstar: wenn es später wieder trüb wird

Die Kunstlinse sitzt in der natürlichen Linsenkapsel. Wochen, Monate oder Jahre nach der Operation kann sich diese Kapsel trüben oder fälteln, sodass du wieder verschwommen siehst, wie die AAO beschreibt. Das nennt man Nachstar – trüb wird also nicht die Kunstlinse, sondern die Kapsel, in der sie sitzt.

Behandelt wird er mit einer YAG-Laser-Kapsulotomie: Der Laser schafft eine Öffnung in der getrübten Kapsel, damit das Licht wieder durchkommt. Laut AAO dauert das etwa fünf Minuten, das Auge kann mit Tropfen betäubt werden, und ohne weitere Augenprobleme sollte sich die Sicht innerhalb von etwa 48 Stunden bessern. In der Regel ist der Eingriff pro Auge nur einmal nötig. Mögliche Risiken sind unter anderem ein erhöhter Augeninnendruck oder eine Netzhautablösung.

Was die Grundversicherung bezahlt

Die Kataraktoperation ist in der Schweiz kassenpflichtig. Als Standard übernimmt die Krankenkasse laut einem Beitrag des SRF-Gesundheitsmagazins «Puls» von 2025 eine sphärische, monofokale Linse. Sie hat einen Brennpunkt: Du entscheidest vorab, ob du damit in der Nähe oder in der Ferne scharf sehen willst; für die andere Distanz bleibt in der Regel eine Brille nötig.

Zusatzleistungen übernimmt die Grundversicherung nicht. «Puls» nennt als Beispiele 600 bis 2’000 Franken pro Auge für den Femtosekundenlaser, rund 1’200 Franken für eine torische Linse bei Hornhautverkrümmung und rund 2’300 Franken pro multifokale Linse, die scharfes Sehen auf mehreren Distanzen ermöglichen soll, laut «Puls» aber nicht für alle passt und Eingewöhnung braucht. Wie multifokale Kunstlinsen beim geplanten (refraktiven) Linsenaustausch eingesetzt werden, erklärt die Seite Linsenaustausch.

Ein Sonderfall ist die asphärische Linse. Laut «Puls» setzen viele Augenärztinnen und -ärzte sie heute als Standardlinse ein und rechnen sie über die Krankenkasse ab; im Einkauf kostet sie ähnlich viel wie die sphärische. Trotzdem verlangen viele dafür einen Zuschlag von meist rund 350, teils rund 500 Franken. Die Schweizerische Ophthalmologische Gesellschaft (SOG) begründet ihn als Beratungsgebühr, Fachleute ohne Aufpreis halten ihn dagegen für schwer nachvollziehbar. Der Rat von «Puls»: vor dem ersten Termin fragen, ob bei der asphärischen Linse Zusatzkosten anfallen, eine Preisliste für alle Linsen verlangen und Angebote vergleichen.

Gut zu wissen

Erkennen lässt sich eine Linsentrübung bei einer augenärztlichen Untersuchung an der Spaltlampe. Bei My Laser Vision in Wallisellen gehört die Untersuchung des vorderen und hinteren Augenabschnitts zu den Basisuntersuchungen der Augenheilkunde.

Quellen

  1. Weltgesundheitsorganisation WHO — Radiation: The known health effects of ultraviolet radiation, Questions and answers (2024) (öffnet in neuem Tab)
  2. National Eye Institute (NEI/NIH) — Cataracts (2026) (öffnet in neuem Tab)
  3. National Eye Institute (NEI/NIH) — Cataract Surgery (2024) (öffnet in neuem Tab)
  4. American Academy of Ophthalmology (AAO) — Nuclear cataract (Image Library, abgerufen 2026) (öffnet in neuem Tab)
  5. American Academy of Ophthalmology (AAO) — What Is a Posterior Capsulotomy? (2026) (öffnet in neuem Tab)
  6. Narayan A, Evans JR, O’Brart D et al. (Cochrane) — Laser-assisted cataract surgery versus standard ultrasound phacoemulsification cataract surgery (2023) (öffnet in neuem Tab)
  7. Bundesamt für Gesundheit (BAG) — Krankenpflege-Leistungsverordnung (KLV), Anhang 1a: Einschränkung der Kostenübernahme bei bestimmten elektiven Eingriffen (Gesamtliste, Ausgabe 1. Januar 2026) (öffnet in neuem Tab)
  8. SRF Puls (N. Westenfelder) — Vorsicht, Kostenfalle! Augen auf vor der Operation des Grauen Stars (2025) (öffnet in neuem Tab)

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine augenärztliche Untersuchung oder Beratung. Bei plötzlichen Sehstörungen, Lichtblitzen, einem Schatten im Gesichtsfeld oder starken Augenschmerzen wende dich bitte sofort an eine Augenärztin, einen Augenarzt oder eine Notfallstation.

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