Grundlagen

Augen-Mythen im Faktencheck: Was stimmt und was nicht

Machen Karotten scharfsichtig? Schadet Lesen im Dunkeln? Zehn verbreitete Augen-Mythen im Faktencheck – mit Studien und Quellen.

Veröffentlicht am 6 Min. Lesezeit

Fast alle kennen sie aus der Kindheit: «Iss Karotten, dann siehst du besser», «Lies nicht im Dunkeln», «Schiel nicht, sonst bleibt es so». Manche dieser Sätze sind schlicht falsch, andere enthalten einen wahren Kern. Hier findest du verbreitete Augen-Mythen im Faktencheck – jeweils mit Behauptung, Befund und Quelle.

Karotten: wichtig bei Mangel, kein Turbo für gesunde Augen

«Karotten verbessern die Sehschärfe»

Was stimmt: Karotten enthalten Beta-Carotin, das der Körper zu Vitamin A umbaut – und Vitamin A braucht das Auge, um im Dämmerlicht zu sehen. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO ist Nachtblindheit eines der ersten Zeichen eines Mangels. Verbreitet ist ein solcher Mangel vor allem in Afrika und Südostasien. Schätzungsweise 250’000 bis 500’000 betroffene Kinder erblinden jedes Jahr, die Hälfte von ihnen stirbt innerhalb von zwölf Monaten.

Wer genug Vitamin A hat, sieht durch zusätzliche Karotten aber nicht schärfer. Laut der American Academy of Ophthalmology (AAO) braucht das Auge nur eine relativ kleine Menge, die auch in dunklem Blattgemüse, Milchprodukten oder Fisch steckt. Ein Beitrag dreier Augenheilkunde-Professoren im Fachmagazin «The Ophthalmologist» (2026) hält fest, dass Vitamin-A-Gaben das Sehen gesunder Menschen offenbar nicht verändern. Zudem verwertet der Körper das Beta-Carotin aus Karotten nur begrenzt.

Woher der Mythos kommt: Im Zweiten Weltkrieg, als britische Städte nachts verdunkelt waren, verkündete das Landwirtschaftsministerium 1940, mehr Karotten könnten die verbreitete «Verdunkelungsblindheit» überwinden. Berühmt wurde zudem der Nachtjagd-Pilot John Cunningham, genannt «Cat’s Eyes»: Von seinen 20 Abschüssen gelangen ihm 19 nachts – angeblich dank vieler Karotten. Einige Historiker vermuten dahinter eine gezielte Täuschung, um das neue Bordradar der Nachtjäger geheim zu halten. Ob die deutsche Luftwaffe darauf hereinfiel, ist allerdings nicht bekannt.

Quellen: WHO; AAO; Schwartz et al., The Ophthalmologist (2026)

Dämmerlicht und Fernseher: anstrengend, aber nicht schädlich

«Lesen bei schwachem Licht verdirbt die Augen»

Was stimmt: Laut AAO schadet Lesen im Dämmerlicht den Augen nicht. Gutes Licht erleichtert aber das Sehen, und die Augen ermüden weniger schnell. Auch viel Kleingedrucktes nutzt die Augen nicht ab, kann sie aber anstrengen.

«Wer nah vor dem Fernseher sitzt, ruiniert seine Augen»

Was stimmt: Ein sehr kurzer Abstand kann laut AAO die Augen anstrengen oder Kopfschmerzen auslösen, schädigt das Sehen aber weder bei Kindern noch bei Erwachsenen. Kinder können nahe Dinge besonders gut scharf stellen und sitzen deshalb mitunter lieber nah dran. Spannender ist die Umkehrung: Wer gewohnheitsmässig ganz nah am Bildschirm sitzt, ist womöglich kurzsichtig.

Quelle: AAO

Schielen: bleibt nicht stecken – wächst sich aber auch nicht aus

«Wenn du schielst, bleiben die Augen so»

Was stimmt: Die Augenmuskeln bewegen die Augen frei in alle Richtungen. Ein Blick nach links hält die Augen nicht links fest, und genauso wenig fixiert eine Schiel-Grimasse etwas, erklärt die AAO. Dauerhaftes Schielen hat andere Ursachen, etwa Erkrankungen, eine unkorrigierte Fehlsichtigkeit oder Schäden an Muskeln oder Nerven.

«Kinder wachsen aus dem Schielen heraus»

Was stimmt: Dieser Irrtum kann Folgen haben. Laut der American Optometric Association (AOA) wächst sich echtes Schielen nicht aus; ohne Behandlung kann es sich sogar verschlechtern. Weil das Gehirn das Bild des abweichenden Auges mit der Zeit ausblendet, droht dort eine dauerhaft schwächere Sehschärfe, die Amblyopie. Früh erkannt, lässt sich Schielen dagegen häufig gut behandeln. Die AOA empfiehlt deshalb, jedes Kind ab etwa vier Monaten untersuchen zu lassen, dessen Augen nicht ständig gerade stehen. Manchmal täuscht bei Babys nur eine Hautfalte am inneren Lidwinkel oder ein breiter Nasenrücken ein Schielen vor – was vorliegt, klärt die Untersuchung.

Quellen: AAO; AOA

Brille und Augentraining: was sie bewirken – und was nicht

«Eine Brille macht die Augen schwächer»

Was stimmt: Laut AAO verschlechtert eine Brille das Sehen nicht und verursacht keine Augenkrankheit. Selbst falsche Gläser schaden nicht dauerhaft, können aber Kopfschmerzen oder verschwommenes Sehen auslösen, die nach dem Absetzen vergehen. Umgekehrt gilt: Wer eine Brille braucht, sollte sie laut AAO auch tragen – so siehst du bestmöglich, und deine Augen müssen sich weniger anstrengen.

«Mit Augentraining lässt sich Kurzsichtigkeit wegtrainieren»

Was stimmt: Übungsprogramme gegen Fehlsichtigkeit werden seit mindestens 1912 beworben. Die AAO hat die Studienlage 2013 bewertet: Zwei randomisierte kontrollierte Studien fanden keinen Nutzen bei Kurzsichtigkeit, und für ein gebremstes Fortschreiten gab es keinen Beleg. Aufschlussreich ist eine Arbeit von 1982: 17 Kurzsichtige lasen nach durchschnittlich 35 Trainingseinheiten im Schnitt gut drei Zeilen mehr auf der Sehtafel – ihre gemessene Fehlsichtigkeit blieb aber unverändert. Als mögliche Erklärungen nennt die AAO, dass man lernt, unscharfe Bilder besser zu deuten, dazu Motivation, einen veränderten Tränenfilm oder eine engere Pupille, die wie eine Lochblende wirkt. Auch bei Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung, Makuladegeneration oder Glaukom fand sie keinen Beleg für einen Nutzen. Das einzige Risiko sei finanzieller Art.

Eine Ausnahme nennt die AAO: Bei einer Konvergenzschwäche, wenn beide Augen beim Blick in die Nähe nicht gut zusammenarbeiten, können Übungen helfen.

Quellen: AAO (2013, 2026)

Augenreiben: der Mythos mit wahrem Kern

«Augenreiben ist harmlos»

Was stimmt: Übermässiges Reiben steht laut AAO in Verbindung mit Keratokonus. Dabei wird die Hornhaut dünner und wölbt sich kegelförmig vor; das Sehen wird verschwommen und verzerrt. Die Erkrankung beginnt oft in den späten Teenagerjahren oder Anfang 20.

Eine Meta-Analyse im Fachjournal «Cornea» (Hashemi et al., 2020) wertete 29 Studien mit über 7 Millionen Teilnehmenden aus 15 Ländern aus. Keratokonus ist demnach selten – rund 1,4 Fälle pro 1’000 Menschen. Bei der Auswertung möglicher Risikofaktoren war Augenreiben mit einer etwa dreimal so hohen Chance auf Keratokonus verbunden (Odds Ratio 3,1). Noch stärker war der Zusammenhang mit Keratokonus in der Familie (6,4); auch Ekzeme, Asthma und Allergien fielen ins Gewicht. Solche Beobachtungsdaten zeigen einen Zusammenhang, beweisen aber nicht, dass Reiben allein die Krankheit auslöst.

Praktisch heisst das: Jucken deine Augen ständig, lass die Ursache abklären, statt immer wieder zu reiben. Menschen mit Keratokonus rät die AAO ausdrücklich, nicht zu reiben und juckende Augen, etwa bei einer Allergie, ärztlich behandeln zu lassen.

Quellen: AAO; Hashemi et al., Cornea (2020)

Kurz notiert: Bildschirm und Sonne

  • «Bildschirme machen die Augen kaputt»: Laut AAO schaden sie nicht direkt, können ohne Pausen aber Augenbelastung und trockene Augen fördern. Etwa alle 20 Minuten aufschauen und regelmässig blinzeln hilft. Mehr dazu im Ratgeber Trockene Augen bei Bildschirmarbeit. Bei Kindern lohnt sich ein genauerer Blick: Was Studien über Bildschirmzeit, Zeit im Freien und Kurzsichtigkeit zeigen, fasst der Ratgeber Warum Kurzsichtigkeit zunimmt zusammen.
  • «In die Sonne zu schauen, tut gut»: Ein gefährlicher Irrtum. Schon kurzes Hineinstarren ohne geeigneten Schutz kann die Netzhaut dauerhaft schädigen, bis zur Erblindung. Normale Sonnenbrillen und selbst gebastelte Filter schützen nicht; sicher sind nur Sonnenfilter nach der Norm ISO 12312-2 (AAO).

Wann du die Augen untersuchen lassen solltest

Viele Mythen sind harmlos, manche Warnzeichen nicht. Eine augenärztliche Untersuchung ist sinnvoll, wenn

  • die Augen eines Kindes ab etwa vier Monaten nicht ständig gerade stehen,
  • ein Kind gewohnheitsmässig sehr nah am Fernseher sitzt,
  • bei dir neu ein Schielen auftritt – es kann auch nach einem Hirnschlag oder einer Kopfverletzung entstehen (AOA); siehst du dabei plötzlich doppelt, gilt der Notfall-Hinweis unten,
  • dein Sehen allmählich verschwommener oder verzerrter wird, gerade Linien wellig wirken oder du oft neue Brillenwerte brauchst – mögliche Zeichen eines Keratokonus (AAO),
  • du nach einem Blick in die Sonne Sehstörungen bemerkst – dann umgehend.

Notfall: Plötzliche Doppelbilder oder ein plötzlicher Sehverlust, oft nur auf einem Auge, können laut der Schweizerischen Herzstiftung Zeichen eines Hirnschlags sein – ebenso wie eine plötzliche, oft einseitige Lähmung im Gesicht, an Arm oder Bein, Sprachstörungen, heftiger Schwindel oder ein ungewöhnlich heftiger Kopfschmerz. Wähle dann sofort den Notruf 144, auch wenn die Beschwerden rasch wieder verschwinden.

Eine erste Orientierung, wie scharf du in die Ferne siehst, gibt der Online-Sehtest; eine Untersuchung ersetzt er nicht. Bei My Laser Vision in Wallisellen gehören unter anderem ein Kinder-Check-up, die Schieldiagnostik und die Hornhauttopografie zur Augenheilkunde.

Quellen

  1. American Academy of Ophthalmology (Mukamal R.) — Common Eye and Vision Myths (2026) (öffnet in neuem Tab)
  2. Weltgesundheitsorganisation WHO — Vitamin A deficiency, Nutrition Landscape Information System (abgerufen 2026) (öffnet in neuem Tab)
  3. Schwartz SG, Leffler CT, Grzybowski A — The Ophthalmologist’s Time Machine 39: Did carrots save Britain by giving pilots superhuman night vision? The Ophthalmologist (2026) (öffnet in neuem Tab)
  4. American Academy of Ophthalmology — Complementary Therapy Assessment: Visual Training for Refractive Errors (2013) (öffnet in neuem Tab)
  5. American Academy of Ophthalmology — What Is Keratoconus? (2026) (öffnet in neuem Tab)
  6. Hashemi H et al. — The Prevalence and Risk Factors for Keratoconus: A Systematic Review and Meta-Analysis. Cornea 39(2):263–270 (2020) (öffnet in neuem Tab)
  7. American Optometric Association (AOA) — Strabismus (crossed eyes) (abgerufen 2026) (öffnet in neuem Tab)
  8. Schweizerische Herzstiftung — Hirnschlag erkennen (abgerufen 2026) (öffnet in neuem Tab)

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine augenärztliche Untersuchung oder Beratung. Bei plötzlichen Sehstörungen, Lichtblitzen, einem Schatten im Gesichtsfeld oder starken Augenschmerzen wende dich bitte sofort an eine Augenärztin, einen Augenarzt oder eine Notfallstation.

Finde heraus, was deine Augen können.

Gratis-Voruntersuchung: 30 Minuten, unverbindlich. Und falls deine Augen nicht geeignet sind, sagen wir es dir gerade heraus.