Ob du dir die Augen lasern lassen kannst, entscheidet nicht der Wunsch, sondern die Vermessung deiner Augen. Die US-Behörde FDA, die American Academy of Ophthalmology (AAO) und die Kommission Refraktive Chirurgie (KRC) der deutschen Augenärzteverbände nennen dafür konkrete Kriterien.
Stabile Werte: Das letzte Jahr zählt
Der Laser korrigiert die Fehlsichtigkeit, die am Behandlungstag gemessen wird. Ändert sie sich danach weiter, ist das Ergebnis bald überholt. Mussten deine Brillen- oder Kontaktlinsenwerte im vergangenen Jahr angepasst werden, kommst du laut FDA deshalb wahrscheinlich nicht in Frage. Schwankungen sind laut FDA etwa bei hormonellen Veränderungen durch Krankheiten wie Diabetes, in Schwangerschaft und Stillzeit oder unter bestimmten Medikamenten wahrscheinlicher. Auch das Alter zählt: Vor dem 18. Geburtstag gilt ein refraktiver Eingriff laut KRC als Gegenanzeige, und laut FDA ändern sich die Werte bei Menschen bis Anfang 20 eher noch.
Die Hornhaut: dick genug und gesund
Bei LASIK und Femto-LASIK wird zuerst eine etwa 0,1 bis 0,15 mm dünne Hornhautlamelle (Flap) geschnitten und aufgeklappt; darunter trägt der Excimerlaser Gewebe ab. Die KRC rät von einer LASIK ab, wenn die Hornhaut dünner ist als 480 µm (Flap per Femtosekundenlaser) bzw. 500 µm (mechanisches Mikrokeratom) – rund ein halber Millimeter – oder wenn unter dem Flap weniger als 250 µm übrig blieben, auch nach einer allfälligen Nachkorrektur.
Laut AAO schliesst allerdings kein einzelner Wert eine spätere Vorwölbung der Hornhaut (Ektasie) sicher aus. Als Hauptrisikofaktor gilt eine auffällige Hornhauttopografie; ein weiterer Risikofaktor ist, wenn Flap und Abtrag zusammen 40 Prozent oder mehr der ursprünglichen Hornhautdicke ausmachen.
Bei eher dünner Hornhaut kann eine Oberflächenbehandlung wie PRK, LASEK oder Trans-PRK in Frage kommen. Ohne Flap bleibt laut AAO mehr tiefes Hornhautgewebe erhalten; dafür sind die ersten Tage unangenehmer, und das Sehen erholt sich langsamer.
Keratokonus ausschliessen
Beim Keratokonus wird die Hornhaut dünner und wölbt sich kegelförmig vor. Die AAO führt ihn als Gegenanzeige, weil das Laserergebnis dann unvorhersehbar werden kann; die KRC schliesst für die LASIK auch frühe Formen («forme fruste») aus. Deshalb wird die Hornhaut vor jedem Eingriff computergestützt vermessen (Topografie bzw. Tomografie). Selbst bemerken kannst du laut AAO verzerrtes Sehen (gerade Linien wirken wellig), mehr Blendempfindlichkeit oder Brillenwerte, die sich ständig ändern. Etwa jede zehnte betroffene Person hat einen Elternteil mit Keratokonus – erwähne es, wenn er in deiner Familie vorkommt.
Wie viele Dioptrien? Die Behandlungsbereiche
Die KRC unterscheidet einen «Anwendungsbereich» (Verfahren geeignet, Nebenwirkungen selten) und einen «Grenzbereich» (zunehmend schlechtere Ergebnisse, häufigere Nebenwirkungen). Ausserhalb davon empfiehlt sie das Verfahren nicht. Minus steht für Kurz-, Plus für Weitsichtigkeit, Astigmatismus für eine Hornhautverkrümmung:
| Verfahren | Anwendungsbereich (KRC) | Grenzbereich (KRC) |
|---|---|---|
| PRK, LASEK, Trans-PRK | bis −6 dpt, Astigmatismus bis 5 dpt | bis −8 dpt, Astigmatismus bis 6 dpt, bis +3 dpt |
| LASIK, Femto-LASIK | bis −8 dpt, Astigmatismus bis 5 dpt, bis +3 dpt | bis −10 dpt, Astigmatismus bis 6 dpt, bis +4 dpt |
| Phake Linse (z. B. ICL) | ab −1 dpt bzw. ab +1 dpt, auch mit Astigmatismus | Einsatz gegen Alterssichtigkeit |
| Linsenaustausch mit Multifokallinse (MIOL) | Weitsichtigkeit oder mehr als −6 dpt, jeweils bei bestehender Alterssichtigkeit | Kurz- oder Weitsichtigkeit ohne Alterssichtigkeit; Alterssichtigkeit allein |
Bei einer Hornhautverkrümmung bricht das Auge in zwei Richtungen unterschiedlich stark. Die KRC rechnet deshalb nicht mit dem Mittelwert, sondern mit der stärkeren Richtung: −5 dpt Kurzsichtigkeit mit zusätzlich −2 dpt Zylinder (so heisst der Astigmatismus im Brillenpass) zählen als −7 dpt – für PRK und Trans-PRK bereits Grenzbereich, für die LASIK noch Anwendungsbereich.
Kontaktlinsen: Warum du vor der Messung pausierst
Kontaktlinsen können die Hornhaut verformen – laut FDA bis zu mehrere Wochen über das Absetzen hinaus. Wird zu früh gemessen, drohen laut FDA ungenaue Werte, eine schlechte Operationsplanung und ein schlechteres Sehergebnis. Die FDA empfiehlt vor der ersten Untersuchung 2 Wochen Pause bei weichen Linsen, mindestens 3 Wochen bei weichen torischen oder formstabilen gasdurchlässigen und mindestens 4 Wochen bei harten Linsen. Torische und formstabile Linsen verformen die Hornhaut laut AAO eher und länger; dann braucht es manchmal mehrere Messtermine, bis die Werte nachweislich stabil sind. Die genaue Pause legt deshalb deine Augenärztin oder dein Augenarzt fest.
Trockene Augen, Schwangerschaft und weitere Gründe zur Vorsicht
- Trockene Augen: Eine LASIK verstärkt ein trockenes Auge laut FDA tendenziell. In den beiden US-Studien PROWL (veröffentlicht 2017) hatten drei Monate nach der LASIK 34 bis 35 Prozent Trockenheitsbeschwerden – weniger als vorher, doch gut ein Viertel (27 bis 28 Prozent) der zuvor Beschwerdefreien berichtete neu darüber. Laut AAO sollte ein trockenes Auge vorher ausreichend behandelt sein (mehr dazu).
- Schwangerschaft und Stillzeit: Die Brechkraft kann dann schwanken (FDA); die AAO wertet beides als relative Gegenanzeige.
- Erkrankungen und Medikamente: Die AAO nennt als relative Gegenanzeigen unter anderem Diabetes, Autoimmunerkrankungen, frühere Herpes-Entzündungen der Hornhaut und Glaukom sowie Medikamente wie Isotretinoin (gegen Akne) oder Amiodaron (Herzrhythmus). Ein Grauer Star, der das Sehen beeinträchtigt, oder ein unkontrolliertes Glaukom schliessen eine Hornhautkorrektur aus. Gib laut FDA alle Medikamente an, auch rezeptfreie.
- Erwartungen: Auch unrealistische Erwartungen gelten der AAO als Gegenanzeige; sie empfiehlt, die spätere Alterssichtigkeit vorab anzusprechen.
Wann ICL oder Linsenaustausch näher liegen
Drei fachliche Gründe können für eine Linse im Auge sprechen:
- Hohe Werte: Bei starker Kurzsichtigkeit können Laserergebnisse laut AAO weniger vorhersehbar sein, phake Linsen haben hier optische und strukturelle Vorteile; in den USA sind sie bis −20 dpt zugelassen.
- Dünne oder auffällig geformte Hornhaut: Dann kann laut AAO ein Eingriff im Auge die Alternative zum Laser sein.
- Bestehende Alterssichtigkeit: Dann liegt ein Linsenaustausch laut KRC im Anwendungsbereich (mit Multifokallinse eingeschränkt, siehe Tabelle).
ICL: Die implantierbare Kontaktlinse sitzt hinter der Iris vor der eigenen Linse, die samt ihrer Naheinstellung erhalten bleibt. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit von 2014 (drei Studien mit 228 Augen, −6 bis −20 dpt; nur eine davon mit ICL, zwei mit einer an der Iris befestigten Linse) fand ein Jahr nach dem Eingriff mit phaker Linse seltener einen Verlust an bestkorrigierter Sehschärfe als nach dem Laser, dazu besseres Kontrastsehen und höhere Zufriedenheit – allerdings mit Vorbehalt: Die methodische Qualität der Studien ist teils unklar, und Laser wie Linsen wurden seither weiterentwickelt. Weil das Auge dabei eröffnet wird, nennt die KRC auch seltene Risiken, etwa einen Anstieg des Augeninnendrucks, eine Trübung der eigenen Linse (Grauer Star), eine Schädigung der Zellschicht an der Hornhautrückfläche (Endothel) oder eine Infektion. Nötig ist genug Platz im Auge: Die KRC verlangt eine Vorderkammertiefe von mindestens 2,8 mm bei Kurzsichtigkeit und mindestens 2’000 Endothelzellen pro mm². Diese Zellen der Hornhautrückfläche werden danach mindestens jährlich kontrolliert. Mehr zur ICL.
Linsenaustausch: Die eigene Linse wird wie bei einer Graue-Star-Operation durch eine Kunstlinse ersetzt; ihre verbliebene Naheinstellung geht verloren. Mit Einstärkenlinsen brauchst du für die Nähe in der Regel eine Lesebrille (ausser bei einer sogenannten Monovision, bei der ein Auge auf die Nähe eingestellt wird). Multifokallinsen (MIOL) können den Zwischen- und Nahbereich verbessern, laut KRC aber das Dämmerungssehen verschlechtern und Halos sowie Blendempfindlichkeit verursachen. Bei Kurzsichtigkeit nennt die AAO nach einem Linsenaustausch ein Risiko für eine Netzhautablösung von 1,5 bis 8,1 Prozent, das sich über die Jahre summiert. Mehr zum Linsenaustausch.
Warnzeichen: Plötzlich viele neue dunkle Punkte (Russregen), Lichtblitze oder ein Schatten wie ein Vorhang im Gesichtsfeld können laut dem US-amerikanischen National Eye Institute auf eine Netzhautablösung hinweisen. Das ist ein Notfall – geh sofort in eine Augenarztpraxis oder auf die Notfallstation (mehr dazu).
Was vor dem Eingriff untersucht wird
Zur Abklärung vor einem Eingriff gehören laut KRC mindestens: Hornhauttopografie und -dicke, Sehschärfe, Augeninnendruck, Pupillengrösse bei Dämmerlicht und die Untersuchung der vorderen und hinteren Augenabschnitte bei erweiterter Pupille. Nach einer Hornhautkorrektur solltest du laut AAO deine Werte von vorher und nachher schriftlich erhalten – sie können später bei einer Graue-Star-Operation wichtig sein. Nach einer LASIK rät die FDA: Bei starken Schmerzen oder wenn Sehen oder Beschwerden schlechter statt besser werden, sofort melden – nicht erst zur nächsten Kontrolle.
Bei My Laser Vision in Wallisellen kannst du für refraktive Eingriffe eine kostenlose Voruntersuchung von rund 30 Minuten vereinbaren – ein erster Schritt, um zu klären, ob Augenlasern, eine ICL oder ein Linsenaustausch grundsätzlich in Frage kommt. Die vollständige Abklärung vor einem Eingriff kann, wie oben beschrieben, weitere Messungen und manchmal mehrere Termine umfassen.
Quellen
- U.S. Food and Drug Administration (FDA) — When is LASIK not for me? (2018) (öffnet in neuem Tab)
- U.S. Food and Drug Administration (FDA) — What should I expect before, during, and after surgery? (2018) (öffnet in neuem Tab)
- American Academy of Ophthalmology (AAO) — Refractive Surgery Preferred Practice Pattern (2022) (öffnet in neuem Tab)
- Kommission Refraktive Chirurgie (KRC) von DOG und BVA — Bewertung und Qualitätssicherung refraktiv-chirurgischer Eingriffe, KRC-Empfehlungen (Stand Mai 2024) (öffnet in neuem Tab)
- Barsam A, Allan BDS — Excimer laser refractive surgery versus phakic intraocular lenses for the correction of moderate to high myopia, Cochrane Database of Systematic Reviews (2014) (öffnet in neuem Tab)
- Eydelman M, Hilmantel G, Tarver ME et al. — Symptoms and Satisfaction of Patients in the Patient-Reported Outcomes With Laser In Situ Keratomileusis (PROWL) Studies, JAMA Ophthalmology 135(1):13–22 (2017) (öffnet in neuem Tab)
- American Academy of Ophthalmology (AAO) — What Is Keratoconus? (2026) (öffnet in neuem Tab)
- National Eye Institute (NEI/NIH) — Retinal Detachment (2025) (öffnet in neuem Tab)
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine augenärztliche Untersuchung oder Beratung. Bei plötzlichen Sehstörungen, Lichtblitzen, einem Schatten im Gesichtsfeld oder starken Augenschmerzen wende dich bitte sofort an eine Augenärztin, einen Augenarzt oder eine Notfallstation.